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17. March 2010

Tourismus: Ein paar Gedanken zur Marke Kärnten

Der Anlass zu diesem Artikel ist ein Beitrag in der Kleinen-Zeitung über die neue Sommer- und Seenkampagne von Kärnten – Titel “Bewegung im Wasser” – und die Ideen und Aussagen unseres neuen Kärntenwerbungschef Christian Kresse.

Bewegung im Wasser

Das hört sich erst mal nach einer Senioren-Reha-Wassergymnastik-Gruppe an. Doch lassen wir mal die Ironie weg und schauen uns den Beitrag mal näher an. “Bewegung im Wasser” soll in Kärnten der “neue” Trend sein und wird gleich mit einer Kampagne ins Leben gerufen (oder reanimiert?).

Und genau da bin ich doch begeistert und beeindruckt von unserer neuen Landesklementine. Denn er kennt jetzt schon den Ausgang der Studie, die jetzt gerade erst anläuft:

Zurzeit läuft der von Kresse initiierte Markenfindungsprozess, für den Tourismusreferent Josef Martinz ein Sonderbudget von 100.000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Eine repräsentative Marktforschung in Deutschland, Österreich, Italien, Holland und Polen soll ergeben, wer die Kärntengäste sind, wer sie sein könnten und was sie wollen.

Noch mal zum mitschreiben: Es wird eine Studie gemacht über den Gast, woher er kommt und was er will. Klingt gut, vor allem, wenn man jetzt schon das Ergebnis festlegt! Diese Hellseherischen Fähigkeiten sind doch  100.000 Euro wert, oder? Klingt für mich eher nach Bananenrepublik!

Einzelauftritte sinnlos!?

Natürlich sollen alle im gleichen Boot sitzen. Ist ja klar, dann gehen wir wenigstens zusammen alle baden. Doch meiner Meinung nach wird das so nicht funktionieren. Denn die Kärntner Seen sind zwar alles samt toll, aber sicherlich nicht die Hauptattraktion in Kärnten, schaut man sich mal all die anderen Freizeitaktivitäten an, die man das ganze Jahr(!!!) hier ausüben kann. Vor allem, wenn im letzten Absatz noch steht, dass der Frühling und der Herbst belebt werden sollen. Wie soll das mit Bewegung im Wasser funktionieren? Eislochschwimmen? Und was machen die anderen Regionen, die gerade keinen See zur Hand haben?

Outdooraktivitäten – Wo bleibt das Wandern?

Immerhin werden im letzten Satz zwei andere Möglichkeiten erwähnt – Radfahren und Golfen. Aber auch hier wieder Aktivitäten, die sicherlich zur Minderheit gehören. Wann kommt denn endlich mal das Thema Wandern und Klettern? Denn gerade der Herbst ist hier zu Land doch perfekt fürs Wandern. Alle Jammern, dass ab September keine Gäste mehr kommen. Ist ja auch klar, wenn die Wanderer nicht wissen, dass Kärnten auch Berge hat, weit aus mehr als Golfplätze oder Seen!!! Nur ca. 1,8% der Fläche in Kärnten sind Gewässer. Finnland hingegen hat über 200.000 Seen!

Ich war lange Zeit selbst Tourist in Kärnten, bevor ich hierher gezogen bin. Und dabei ist mir eines ganz klar geworden: Das Land ist sehr vielseitig. Dies unter einen Hut zu bekommen, ist sicherlich schwierig. Doch in meinen Augen eine Minderheiten-Aktivität nach vorne zu stellen, ist sicherlich der falsche Ansatz. Für mich steht im Vordergrund die vielfältige Natur. Die gilt es, zu vermarkten.

Hausverstand

Ich bin kein gelernter Marketing-Chef, aber mein Hausverstand sagt mir, dass das nicht gerade durchdacht ist. Eine Studie beauftragen und vorher schon das Ergebnis festlegen – die Seen herausstellen, wobei man mal gerade 8-10 Wochen den See richtig nutzen kann – alle Regionen mit einer Aktivität bewerben – das Wandern und andere Outdooraktivitäten ignorieren…

Dies alles ist nicht gerade ein super Start von Herrn Kresse und zeigt mir, dass er sich nicht wirklich mit dem Land auseinander setzt, sondern sicherlich verhaftet ist, in politische Strukturen und alte Denkmuster. Er sollte jeden Monat sein Büro in einem anderen Ort in Kärnten aufschlagen. Dann würde er auch mal mehr vom Rest des Landes mitbekommen und nicht nur den See sehen.

Ich kann da nur noch hoffen, dass der Strategie-Partner, die Österreichwerbung, einen guten Einfluss auf Herrn Kresse mit seinem Team nimmt. Denn der Ansatz von austria.info finde ich super. Hier hat der Gast die Möglichkeit, das Land nach seinen Bedürfnissen zu erkunden und wird nicht von vornherein auf eine Aktivität reduziert.

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